NEIN zum Gegenvorschlag der "Anti-Stau"-Initiative.

Bei Annahme des Gegenvorschlages zur "Anti-Stau"-Initiative  würde festgelegt, dass eine Verminderung im Strassennetz mindestens auszugleichen ist. Das heisst, wenn ein neu geplanter Veloweg die Strassenbreite vermindert, sei dies auszugleichen.

Nehmen wir als Beispiel die Breitensteinstrasse beim Wipkingerplatz. Kein Platz für Velofahrer, ebenfalls ist das Trottoir zu schmal. Wenn man da jetzt einen Veloweg machen möchte, gäbe das eine Verminderung. Da aber kein Ausgleich vorhanden ist (wo denn? Da müsste man ja die Häuser verschmälern), könnte kein Veloweg umgesetzt werden. Es darf doch nicht sein, dass der Autoverkehr einfach als status quo gesetzt ist für immer und ewig.

Deshalb bitten wir Sie um ein klares

NEIN zum Gegenvorschlag der "Anti-Stau"-Initiative.

Podium «Erfolgsmodell Zürich – Lärmschutz und Nachbarschaft im EinKlang?»

Uns wurde von verschiedenen Anwesenden gratuliert zum Anlass. Auch ich fand ihn sehr informativ und spannend. Die Stimmung war trotz unterschiedlicher Meinung gut, teilweise sogar amüsant.

Gemeinsamkeiten finden war eines meiner persönlichen Ziele fürs Podium. Mit Karin Rykart von den Grünen war das einfach, wir beide möchten weniger Auto- und Schwer-Verkehr, dafür mehr Platz für Velos auf den Strassen. Mit Christoph Marty von der SVP bin ich einig mit seiner Aussage, das Quartier versäuft im Verkehr. Gemeinsamkeiten mit Markus Hungerbühler vom ACS und CVP gab es auch, so sind wir uns einig, dass jeder Mensch selber entscheiden kann, was er in seinem Leben macht. Wie das dann aber mit den Konsequenzen daraus aussieht und wo der Staat wie Einfluss nehmen soll im Sinn von Priorisieren (Steuern), diese Frage blieb leider wegen Zeitmangel unbeantwortet. Stadtrat Richard Wolff hat uns aufgerufen, weiter zu lobbieren. Wir werden unser Bestes geben!

Wer am Podium nicht teilnehmen konnte, hat die Möglichkeit, den kompletten Anlass auf unserer Webseite als Video nachzuschauen unter

Video vom Podium «Erfolgsmodell Zürich – Lärmschutz und Nachbarschaft im EinKlang?»

Fotos vom Podium «Erfolgsmodell Zürich – Lärmschutz und Nachbarschaft im EinKlang?»

 

Ich begrüsse Sie herzlich zu unserem Podium

«Erfolgsmodell Zürich – Lärmschutz und Nachbarschaft im EinKlang ?»

Mein Name ist Martin Zahnd. Ich bin Präsident der IGAWB. Wir haben den heutigen Anlass organisiert.
Alle Folien, die Sie heute Abend von uns sehen werden, können Sie auf unserer Webseite igawb.ch herunterladen, auch meine Einleitungsrede in Textform, ab ca. 21 Uhr heute Abend. Der Anlass wird zudem auf Video festgehalten und ebenfalls später veröffentlicht. Wenn Sie sich auf unserer Webseite für den Newsletter IGAWB eintragen, sind Sie im Übrigen stets über alle aktuellen Neuigkeiten wie Verkehrsaufkommen etc. informiert.
Unsere Interessengemeinschaft engagiert sich seit rund 8 Jahren, den Interessen der AnwohnerInnen der Strasse Am Wasser/Breitenstein gebührenden Gehör zu verschaffen, gegen das gewaltige Verkehrsaufkommen, gegen eine neue Westtangente vor unserer Haustür.

Das Ergebnis unserer intensiven Überlegungen, wie die Strasse AWB in Zukunft aussehen könnte, ist in der Broschüre «Der Weg weg von einer Transitachse» Gedanken zum Umbau einer Quartierdurchfahr; ein kooperativer Prozesst zusammengefasst. Diese Broschüren konnten wir Stadtrat Philippo Leutenegger persönlich übergeben. Sie finden darin beispielsweise Vorschläge, was beim Fabrikareal Am Wasser 55 bei einer Verlegung der Parkplätze unter die Erde werden könnte. Neugierig? Die Broschüre liegt hinten auf. Bitte bediene Sie sich.

   

Sie fragen sich, warum ich einen Sträflingsanzug trage? Wir Anwohner von Am Wasser/Breitenstein sind bestraft durch den Verkehr – im 2015 wurde uns, den Anwohnenden, der Interessengemeinschaft Am Wasser/Breitenstein, für eine Demonstration gerade mal 5 Minuten von der Stadt gewährt. Die restlichen 525’000 Minuten des Jahres gehörten dem Verkehr.


Wir sind hier im Kirchgemeindehaus Wipkingen an einem historischen Ort. Historisch in Bezug auf den Einfluss von Verkehr auf die Entwicklung des Wipkingerplatzes. Kaum ein anderer Platz wurde durch Strassenbauten so verschandelt wie der Wipkingerplatz. Er verdient eigentlich den Namen Platz gar nicht mehr.
Früher haben sich die Anwohner vielleicht über Pferdeäpfel auf der Strasse geärgert. Heute ärgern wir uns über den Lärm und die Luftverschmutzung, die der Verkehr mit sich bringt. Mit Rossäpfeln könnte ich persönlich heute gut leben, Sie auch?
1968 wurde die Westtangente gebaut und damit auch die Hardbrücke, als Provisorium, das aber wohl für immer bleiben wird. Doch damit nicht genug. Neu wird nun noch der Rosengartentunnel zur Abstimmung kommen, mit Tunnelausgang direkt am Wipkingerplatz. Was für grauenhafte Aussichten für den ohnehin verschandelten Wipkingerplatz.

Östlich von uns ist die Hardbrücke, die alte Westtangente – Westlich von uns ist die AWB, wird das die neue Westtangente? Ich fürchte JA, es sei denn, die Behörden handeln endlich: Mit dem geplanten Autobahnanschluss direkt auf die Europabrücke wird nämlich der Transit über die Strasse AWB schneller als über die eigentlich dafür vorgesehene Pfingstweidstrasse.
Auf dieser Welt gibt es ja ständig Veränderung, die ganze Welt ist im Wandel. So hat sich auch einiges zum Positiven geändert.
Als die ersten Autos auf die Strassen kamen, gab es noch keine Richtlinien bzw. Gesetze für die Strassenbenutzer. Man durfte alkoholisiert Auto fahren und Geschwindigkeitslimiten gab es auch nicht. Heute ist beides zum Glück geregelt. Speziell die Geschwindigkeit ist wegen der Lärmschutzverordnung wieder aktuell im Gespräch. Tempo 30 wird gefordert, denn damit reduziert sich der Verkehrslärm gegenüber Tempo 50 um die Hälfte: Tempo 30 ist eine einfache und kostengünstige Umsetzung der Lärmschutzverordnung.

   

Wem gehört denn eigentlich die Strasse?

Früher nur dem Verkehr. Heute werden die Bedürfnisse der Anwohnenden wenigstens teilweise wahrgenommen und manchmal sogar umgesetzt.
Früher gab es auch nicht überall ein Trottoir. So hat zum Beispiel der Hausbesitzer Am Wasser 75 das Trottoir selbst gebaut, nachdem seine Frau vor dem Haus fast überfahren wurde.
Und seit zwei Jahren haben wir am Engpass Am Wasser 108 endlich ein Trottoir und können nun sicher diese Passage zu Fuss durchqueren.
Im Prinzip ist das Verhältnis zwischen Anwohner und Strassenverkehr wie zwischen Nachbarn. Bei Nachbarschaften gibt es klare Regeln. Stellen Sie sich mal vor, jeder könnte machen, was er will auf dem eignen Grund und Boden. Er könnte z.B. Abfall oder seine alte Rosshaarmatratze im Garten verbrennen. Die Abgase, der Rauch betrifft stets auch die Nachbarn. Zum Glück geht das nicht, denn eine gesundheitsgefährdende Luftverschmutzung ist streng verboten.
Wie ist das bei dem Nachbarn Verkehr?
Für die Fahrzeuge gibt es Grenzwerte, wieviel Abgas jedes Fahrzeug maximal ausstossen darf (Emissionsgrenzwert).
Für die Menschen ist in der LuftreinhalteVerordnung festgelegt, wie schlecht die Luft sein darf, die wir einatmen, ein Vorsorgewert zum Erhalt der Gesundheit (Immissionsgrenzwerte).
Für Feinstaub wird in der LuftreinhalteVerordnung ein Langzeitgrenzwert von 20 µg/m³ im Jahresmittel festgelegt. Dieser Grenzwert wird jedoch leider dauernd überschritten. Am Wipkingerplatz betrug der Mittelwert im Jahr 2015 24 bis 26 µg/m³ gemäss GIS-Browser vom Kanton Zürich. Als Quelle von Feinstaub steht an erster Stelle der motorisierte Strassenverkehr.
Das Bafu schreibt dazu auf ihrer Webseite: «Damit die geltenden Grenzwerte für Feinstaub eingehalten werden können, müssen in der Schweiz gegenüber heute (2015) rund 50% der PM10-Emissionen (Hauptquelle ist der Verkehr) und etwa 50% der Vorläufer-Emissionen reduziert werden.»

Der zweite Aspekt ist die Nachtruhe. In der entsprechenden Verordnung der Stadt Zürich steht: «Die Nachtruhe dauert von 22.00–7.00 Uhr, während der Sommerzeit freitags und samstags beginnt die Nachtruhe erst um 23.00 Uhr. Während der Nachtruhe ist störendes Verhalten verboten.»
Für den Strassenverkehr gibt es diese Beschränkung nicht, mit Ausnahme des Lastwagen Nachtfahrverbotes zwischen 22.00–05.00 Uhr. Eine Verkürzung auf morgens 04.00 Uhr ist zum Glück vom Ständerat abgelehnt worden, obwohl sie vom Nationalrat bereits gutgeheissen war.

Problemkind Klappenauspuff
Bei uns in der Schweiz immer noch erlaubt, in der Eu verboten seit 2014 mit der «Verordnung Nr. 540/2014 über den Geräuschpegel von Kraftfahrzeugen und von Austauschschalldämpferanlagen».
Tagi dazu: Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) bedauert, dass Klappenauspuffe, die keinen weiteren Nutzen hätten, ausser mehr Lärm zu produzieren, legal seien.

         

Es gibt also viel zu diskutieren, zu analysieren, gemeinsame Lösungen zu finden.
Nur einfach alle Strassen in der Stadt für den Verkehr öffnen und dann sagen, es ist jedem selber überlassen, wo er wohnt, gilt definitiv nicht. Das wäre wie im letzten Jahrtausend, als einige Politiker sagten, es sei jeder selber Schuld, wenn er in der Stadt wohne.

Einklang steht im Titel unserer Veranstaltung. Einklang zwischen Anwohner und Verkehr? Geht das überhaupt? Dies und vieles mehr werden wir heute Abend diskutieren.
Besonders freue ich mich, nun Roman Dellsperger die Moderation des Podiumgesprächs zu übergeben, einem ausgewiesenen Kenner von Wipkingen. Einigen ist er sicher noch in Erinnerung von der Vereinsgründung der IGAWB oder von der Eröffnungsfeier zur neuen Gestaltung des Röschibachplatzes.
Roman Dellsperger ist selbständig und hat ein kleines Büro mitten im Kreis 4. Er ist spezialisiert auf die Moderation von Veranstaltungen und längeren Beteiligungsprozessen in der Stadt- und Quartierentwicklung.
Bevor ich das Mikrofon an Roman weiter geben, noch eine kleine Anmerkung: Ich möchte nur kurz erwähnen, dass ich auch den TCS eingeladen habe, Herr Cavegn Geschäftsführer vom TCS Zürich und wohnhaft in Oberengstringen, teilte mir mit, das niemand vom TCS teilnehmen kann. Bedauerlich, zumal der TCS viele Einsprachen im Zusammenhang mit geplanten Tempo 30 zur Einhaltung der Lärmschutzverordnung eingereicht hat.